Kindertreff auf Rädern

Das Sportmobil der Frankfurter Caritas fährt dorthin, wo Kinder oft sich selbst überlassen sind und die Nachmittage auf der Straße verbringen. Jeden Montag etwa macht es Halt an einem Bauspielplatz im Stadtteil Oberrad und bietet Spiel und Abenteuer im Freien.

Die letzten 50 Meter Weg bis zum Auto sind pure Vorfreude. Ein paar Kinder rennen auf den großen weißen Transporter zu, auf dem in großen Lettern „Sportmobil“ steht. Sie springen auf das Trittbrett, klammern sich an die Türgriffe und versuchen durch die abgedunkelten Scheiben hineinzuschauen. „Was ist es für eine Überraschung?“, fragt Ben*. „Ich sehe Pflanzen“, antwortet Yagmur*, die es auf das Trittbrett des Sportmobils geschafft hat.

Kinder rennen auf das Sportmobil zu, ein Mädchen steht schon auf dem Trittbrett und schaut hinein.
Eine Frau und viele Kinder gehen eine Straße entland.
Zwei Frauen und viele Kinder gehen eine Straße entlang.

Die Kinder blicken erwartungsvoll Katharina Kildau und Lena Schmitt entgegen. Die beiden jungen Frauen kommen mit den letzten Nachzüglern der Gruppe den Sandweg entlang. Seit Beginn des Schuljahres bieten sie jeden Montag für die Kinder einer Grundschule im Frankfurter Stadtteil Oberrad die „AG Sportmobil“ an. Dann holen sie die Kinder nach der Schule auf dem Schulhof ab, laufen mit ihnen rund 15 Minuten den Berg hinauf und verbringen ein paar Stunden voller Abenteuer auf dem Gelände des Bauspielplatzes.

Ein Transporter voller Überraschungen

Für gewöhnlich hält das Sportmobil der Caritas mit Fußbällen, Federballspielen, Stelzen oder Skateboards genug Schätze bereit, um die Kinder nachmittags zu beschäftigen. Doch heute hat sich Katharina Kildau etwas Besonderes ausgedacht. „Heute wollen wir etwas anpflanzen, hat das von euch schon mal jemand gemacht“, fragt sie in die Runde. Ein paar strecken die Finger in die Höhe. „Ich glaube, nicht“, sagt Tim*. „Doch, wir haben schon mal Kresse gepflanzt“, erwidert sein Zwillingsbruder und beide strecken ihren Arm in die Höhe.

Das Sportmobil ist für die Kinder ein Highlight und so behandeln sie es auch.
Katharina Kildau, Übungsleiterin der Caritas Frankfurt

Kildau hat in Hanau schon einmal ehrenamtlich ein Schulgartenprojekt betreut. „Das Gärtnern hat den Kindern damals großen Spaß gemacht, deshalb wollte ich das für Oberrad auch auf die Beine stellen“, sagt sie. Eigentlich arbeitet sie in einem Büro für Regionalentwicklung, für soziale Projekte engagiert sie sich aber bereits seit ihrem Studium. „Diese Arbeit liegt mir am Herzen“, sagt sie. „Das Sportmobil ist für die Kinder ein Highlight und so behandeln sie es auch. Sie freuen sich, wenn sie uns sehen. Das ist immer ein sehr schöner Moment.“ Bevor die AG an diesem Montag losging, war Katharina Kildau mit Lena Schmitt im Baumarkt und hat Pflanzschalen, Blumen und verschiedene Kräuter besorgt.

Katharina Kildau und Lena Schmitt schieben einen Einkaufswagen voller Blumen und Blumendere über einen Parkplatz.
Ein Mädchen steht am Kofferraum des Sportmobils und nimmt einen Blumentopf heraus.
Ein anderes Mädchen trägt eine Packung Blumenerde aus dem dem Sportmobil.
Kinder vor Holzhütten

Die Kinder haben das alles bereits entdeckt und schleppen es wie Ameisen aus dem Wagen auf das Gelände des Bauspielplatzes. Buntbemalte Bretterbuden stehen dort, an einem dicken Ast weht eine Schaukel im Wind, es gibt ein Tipi aus robustem Holz und eine kleine überdachte Bühne. Auf der legen die Kinder die Pflanzen und Töpfe ab.

Während die beiden Betreuerinnen die Kinder in Gruppen aufteilen und Salatpflanzen und Kräuter verteilen, kommt auch Dirk Wenzel hinzu. Er ist Mitarbeiter bei der Caritas und betreut viele Projekte, doch das Sportmobil und der Bauspielplatz liegen ihm besonders am Herzen. „Wir haben hier mit den Kindern schon einen Film gedreht und Fotos gemacht. Das Sportmobil hält diesen schönen Spielplatz am Laufen“, erzählt Wenzel. Manchmal werkeln die drei mit den Kindern im Freien, manchmal konzentriert sich die Nachmittagsgestaltung mehr auf den Sport. „Das Schöne am Sportmobil ist, dass man mit wenig Ausstattung viele Jugendliche erreichen kann“, sagt Wenzel.

Das Schöne am Sportmobil ist, dass man mit wenig Ausstattung viele Jugendliche erreichen kann.
Dirk Wenzel, Sozialarbeiter der Caritas Frankfurt
Drei Kinder pflanzen Blumen in einen gelben Blumenkasten.
Kinderhände voller Erde, die sie in einen Blumenkasten füllen.
Ein Junge gießt Wasser in frisch bepflanzte Blumentöpfe.
Zwei Mädchen halten sich in den Armen, Herr Wenzel läuft an ihnen vorbei.
EIn Mädchen mit einer Harke und ein Junge, der in einem Blumenkübel wühlt und das Daumen-hoch-Zeichen macht
Info
  • Schon seit 13 Jahren fährt das Sportmobil der Caritas Frankfurt durch die Frankfurter Stadtteile, in denen Kinder und Jugendliche nachmittags oft sich selbst überlassen sind. Im Gepäck hat es alles, was zu Spiel und Sport anregt: Bälle, Stelzen, Skateboards – aber das Herzstück sind die Mitarbeiter, die sich immer wieder Neues für die Kinder einfallen lassen.
  • Das Sportmobil ist Bestandteil des Projekts „Mobile aufsuchende Kinder- und Jugendarbeit“, das die Deutsche Fernsehlotterie mit 86.640 Euro unterstützt hat.
  • Auch Sie wollen ein Projekt umsetzen, aber es fehlt das Geld? Ob es den Förderkriterien entspricht, erfahren Sie in unserer Checkliste.

Ein Wagen mit Geschichte

Und das nicht nur hier an der Grundschule in Oberrad, wo das Sportmobil außerdem jeden Freitag direkt auf dem Schulhof Halt macht und die Kinder für mehrere Stunden mit Bällen und allerlei anderen Spielgeräten versorgt. „Wir sind sehr flexibel und können in dem Auto alles mitbringen“, sagt Wenzel. Das war schon der Gedanke, als die Caritas das Sportmobil 2003 ins Leben rief. Es wurde für ein Projekt im Frankfurter Stadtteil Unterliederbach „als Perspektive für Kinder und Jugendliche in benachteiligten Quartieren“ angeschafft, wie es damals in einer Pressemitteilung hieß. Seitdem hat es viele Kinder glücklich gemacht.

Wenzels persönliches Highlight war dabei der Besuch in einer Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. „Jedes Mal, wenn man die Türen des Wagens öffnet, stehen Kinder davor und freuen sich, das ist immer so. Aber in der Erstaufnahmestelle war es, als brächten wir etwas Lebensnotwendiges. Als wären wir in der Wüste und hätten Wasser dabei“, erzählt er und seine Augen glänzen dabei vor Freude. Er habe die Spielgeräte gar nicht schnell genug verteilen können. Trotz der Sprachbarriere in der Flüchtlingsunterkunft habe die Arbeit sehr gut funktioniert. Spiele wie Fußball brauchen eben keinen Dolmetscher.

* Alle Kindernamen im Artikel wurden von der Redaktion geändert.

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