Die Vielfalt des Ehrenamts – Helfer im Porträt

Von Kinderbetreuung bis zum Zahnmobil für Obdachlose – das ehrenamtliche Engagement in Deutschland ist vielfältig. Mit unseren Kurzporträts stellen wir Ihnen ehrenamtliche Helfer vor. Gerade am 5.12., zum internationalen Tag des Ehrenamts, wollen wir sie feiern und würdigen.
Die Kinder warten schon immer sehnsüchtig, wenn ich komme.
Klauspeter Nill, ehrenamtlicher Helfer des Freiwilligenzentrums Augsburg
Klauspeter Nill besucht Kindergärten für das Projekt „Kleine Entdecker“ des Freiwilligenzentrums Augsburg.
Info
  • Klauspeter Nill ist Rentner und lebt in Augsburg.
  • Er besucht Kindergärten für das Projekt „Kleine Entdecker“ des  Freiwilligenzentrums Augsburg.
  • Für Nill hat Ehrenamt nichts mit Ehre zu tun, sondern mit Erfüllung.

Das mache ich:

Mittlerweile bin ich Rentner. Ich gehe einmal in der Woche in zwei verschiedene Kindergärten in Ausgburg. Mit den Kindern dort mache ich kleine Experimente mit Licht, mit Luft, mit Elektrizität, um das naturwissenschaftliche Interesse möglichst früh zu wecken. Die warten schon immer sehnsüchtig, wenn ich komme. Was ich brauche, bringe ich mit: Wenn wir da mit Wasser panschen, dann habe ich eine kleine Wanne, Becher und Farben dabei. Oder für Akustik Gummibänder und Luftballons.

Das gibt mir viel:

Ich beschäftige mich sehr gern mit kleinen Kindern. Meine beiden Enkel sind in Fernost. Da treffe ich im Kindergarten sozusagen meine Ersatzenkel.

Wie kann Hilfe geholfen werden?

Für mich läuft‘s absolut unproblematisch. Auch die Kitas sind begeistert, wenn ich komme.

Ist das Ehrenamt noch eine Ehre?

Nein, das ist für mich der falsche Begriff. Das hat mit „Ehre“ überhaupt nichts zu tun. Eher mit Erfüllung, oder Beschäftigung, oder damit, etwas aus der Zeit machen, die man zur Verfügung hat.


Inzwischen bekomme ich tausende E-Mails von Leuten, die mir danken.
Alex Assali, hilft ehrenamtlich Obdachlosen in Berlin
Alex Assali hilft Obdachlosen in Berlin – nicht als Teil einer Organisation, sondern aus eigener Initiative.
Info
  • Alex Assali ist als syrischer Flüchtling nach Deutschland gekommen.
  • Er hilft ehrenamtlich Obdachlosen in Berlin.
  • Mit seinem Essensstand am Cottbusser Tor hat Assali es in viele Medien geschafft.

Das mache ich:

Ich bin als syrischer Flüchtling in Deutschland angekommen und fühlte mich überall herzlich willkommen. Das hat mich berührt. Und das hat mich dazu geleitet, etwas zu tun. Zuerst habe ich zwei Monate in einer Notübernachtung für Obdachlose geholfen. Da habe ich nette Menschen erlebt, die offen für Hilfe sind. Also kann man ihnen auch aus der Dunkelheit ihrer Lage heraushelfen. Ich habe überlegt, was ich persönlich tun kann. Und so habe ich angefangen, am Cottbusser Tor in Berlin zu kochen. Von da ist die Idee weiter gediehen. Ich möchte den Leuten nicht nur Essen geben. Ich möchte, dass sie wieder an der deutschen Gesellschaft teilhaben können. Es gibt Menschen, die Flüchtlingen bei der Arbeitsplatzsuche helfen. Die haben sich bereit erklärt, auch Obdachlosen zu helfen, die ich vermittle. Und ich arbeite jetzt mit Freunden zusammen. Jetzt im Winter sammeln wir Decken und warme Kleidung. Wir arbeiten zusammen wie eine Hand, ein Herz.

Das gibt mir viel:

Ich habe viele tolle Erfahrungen gemacht. Menschen haben bei mir gegessen, haben sich bei mir bedankt, für mich gebetet, oder mich umarmt. Inzwischen bekomme ich tausende E-Mails von Leuten, die mir danken und mich segnen. Das übersteigt meine Vorstellungskraft.

Wie kann Hilfe geholfen werden?

Geld möchte ich nicht. Ich will auch zeigen, dass die Attentäter von Paris nicht für das syrische Volk stehen. Dieses Projekt soll aus syrischem Geld finanziert werden. Das ist unser Ziel. Wir wollen dem deutschen Volk etwas zurückgeben.

Ist das Ehrenamt noch eine Ehre?

Ja. Für mich trifft das ganz genau zu.


Es ist ein tolles Gefühl, etwas Gutes zu tun.
Andrea Rhauderwiek, ehrenamtliche Helferin der Lebenshilfe Hannover
Andrea Rhauderwiek betreut im Auftrag der Lebenshilfe Hannover eine Frau mit Behinderung.
Info
  • Andrea Rhauderwiek ist Logopädin und lebt in Hannover.
  • Sie betreut im Auftrag der Lebenshilfe Hannover eine Frau mit Behinderung.
  • Für Rhauderwiek persönlich ist das Ehrenamt eine große Ehre.

Das mache ich:

Von Beruf bin ich Logopädin. Ich engagiere mich ehrenamtlich bei der Lebenshilfe Hannover. Dort betreue ich eine 25-jährige Frau im Rollstuhl. Sie ist geistig und körperlich behindert. Wir unternehmen regelmäßig etwas zusammen, Spaziergänge, Zoobesuche, Kino, in‘s Café gehen – je nachdem, worauf sie Lust hat. Ihr Sprachverständnis ist gut. So können wir uns gut austauschen und gemeinsam überlegen, was wir unternehmen.

Das gibt mir viel:

Ich freue mich sehr, der jungen Frau eine Freude zu machen. Es ist ein tolles Gefühl, etwas Gutes zu tun. Außerdem ist das Ehrenamt für mich eine sehr gute Abwechslung zu meiner Arbeit.

Wie kann Hilfe geholfen werden?

Die Lebenshilfe betreut mich sehr gut. Wenn ich mit der jungen Frau unterwegs bin, sind die Reaktionen sehr unterschiedlich. Einige bieten direkt Hilfe an, andere starren und tuscheln und gehen auf Abstand. Ich würde mir manchmal mehr Anerkennung und Respekt wünschen.

Ist das Ehrenamt noch eine Ehre?

Für mich persönlich ist das Ehrenamt eine große Ehre. Ich bekomme viel Anerkennung und Dank von der Familie und von der jungen Frau selber. Und es ist mir eine Ehre, dass mir die Familie ihre Tochter anvertraut und wir all die schönen Sachen gemeinsam unternehmen können.

 


Info
  • Ehrenamtliche Helfer engagieren sich für den guten Zweck. Doch wer für die gute Sache brennt, verausgabt sich schnell. Wo sollten Helfer die Grenze ziehen, um nicht über ihre eigenen Kräfte hinaus zu helfen und ein Burnout zu erleiden?
  • Vor allem sollten Helfer ihre unbewussten Bewältigungsstrategien erkennen, um sich psychisch für ihren Einsatz zu rüsten: Mit Selbstreflexion, Supervision und einer offenen Fehlerkultur können Menschen mit sozialen Aufgaben viele Belastungen besser wegstecken und emotional stabil bleiben.
  • Mehr dazu verrät der Artikel „Brennen für die gute Sache – aber ohne Burnout“

Man weiß nach so einem Tag einfach, wie gut man es selbst hat.
Tobias Hülsmeier, engagiert sich ehrenamtlich beim Duisburger Versorgungsnetzwerk gegen Kinderarmut Immersatt
Tobias Hülsmeier hat für das Duisburger Versorgungsnetzwerk gegen Kinderarmut Immersatt einen Social Day absolviert. Social Days sind gemeinnützige Tage, vom Arbeitgeber bezahlt.
Info
  • Tobias Hülsmeier lebt in Ibbenbüren und arbeitet bei einer Privatkundenbank.
  • Er hat für das Duisburger Versorgungsnetzwerk gegen Kinderarmut Immersatt einen Social Day absolviert.
  • Social Days sind gemeinnützige Tage, vom Arbeitgeber bezahlt.

Das mache ich:

Ich bin Betriebsratsvorsitzender einer bundesweit tätigen Privatkundenbank. Mein Social Day bei Immersatt hat um 6:30 Uhr angefangen: Brote schmieren, zusammen mit Obst an Schulen ausliefern, Lebensmittel und Sachgegenstände transportieren und abholen, den Mittagstisch für Kinder betreuen. Danach ging es dann los mit der Hausaufgaben-Betreuung und der schulischen Förderung der Kids. Nebenbei natürlich immer über den Alltag, Spiderman und Batman philosophieren. Um 17 Uhr war mein Tag dort beendet. Dauerhaft engagiere ich mich ehrenamtlich als Manager bei der Basketballabteilung des TV Ibbenbüren. Wir spielen mit unserer ersten Mannschaft in der ersten Regionalliga und haben in den letzten Jahren den gesamten Unterbau strukturiert. Wir fördern die Jugend sehr bewusst.

Das gibt mir viel:

Aus Social Days wie bei Immersatt nehme ich eine gesunde Demut mit. Man sieht, wie viele Menschen sich nach Kräften für sozial benachteiligte Kinder einsetzen. Und man weiß nach so einem Tag einfach, wie gut man es selbst hat und dass viele kleine Alltagsprobleme wirklich sehr klein sind. Die Arbeit beim TV Ibbenbüren mache ich aus der Überzeugung, dass man auch in verhältnismäßig kleinen Orten wie Ibbenbüren viel schaffen kann, wenn sich mehrere Menschen ehrenamtlich zusammen tun.

Wie kann Hilfe geholfen werden?

In der Ehrenamtlichkeit kann jeder Mensch, der gewillt ist, irgendwie helfen. Die Rahmenbedingungen, gesellschaftliche Anerkennung und Hilfe vom Staat eingeschlossen, können natürlich immer besser sein: Wie wäre die verbindliche Einführung von Social Days für Arbeitgeber, die von Arbeitnehmern optional genutzt werden können? Vielleicht mit einem anteiligen Ausgleich vom Staat, um die Motivation zu fördern? Letztlich liegt es aber immer am Willen des Menschen.

Ist das Ehrenamt noch eine Ehre?

Ja, das Ehrenamt ist eine Ehre. Natürlich finden sich gerade hier immer wieder überlastete Menschen und Situationen. Wahrscheinlich hat ein jeder Ehrenamtlicher schon mal daran gedacht, einfach hinzuschmeißen. Aber am Ende tut man anderen etwas Gutes damit und bekommt damit die Bestätigung, weiterzumachen. So wird man dann zum Gewinn.


Irgendwo Kuchen backen und verkaufen kann ich nicht gut. Meinen Job und meine Kompetenzen kann ich am besten in die Waagschale werfen.
Dr. Dirk Ostermann, ehrenamtlicher Helfer des Zahnmobils Hannover
Dr. Dirk Ostermann bietet mit dem Zahnmobil Hannover Menschen in Armutssituationen medizinische Hilfe.
Info
  • Dr. Dirk Ostermann arbeitet als Zahnarzt und lebt in Hannover.
  • Er und seine Kollegen bieten mit dem Zahnmobil Hannover Menschen in Armutssituationen medizinische Hilfe.
  • Ostermann findet den Begriff „Ehrenamt“ schwierig. 

Das mache ich:

Für das Zahnmobil in Hannover bin ich in meinem Beruf als Zahnarzt ehrenamtlich tätig. Ich behandle bedürftige Patienten, die in der Regel ohne Versicherungsschutz sind, meistens obdachlos, und die sich nicht in eine normale Arztpraxis hineintrauen. Wir fahren verschiedene feste Orte an. Häufig bin ich am Nordbahnhof dabei, da ist ein Obdachlosentreff. Im Wesentlichen geht es um Schmerzbehandlung, um zahnerhaltende Maßnahmen, oder völlig kaputte Zähne zu entfernen. Das kostet natürlich Zeit, aber ich habe mir gesagt, dass ich mir einen Nachmittag im Monat gönnen kann. Irgendwo Kuchen backen und verkaufen kann ich nicht gut. Meinen Job und meine Kompetenzen kann ich am besten in die Waagschale werfen.

Das gibt mir viel:

Mir macht der Beruf Spaß, ich mach das gern. Wir haben ein tolles Team. Und ich kriege dort, wie in meiner Praxis, sehr viel Dankbarkeit zurück. Das motiviert mich, ganz klar.

Wie kann Hilfe geholfen werden?

Ich kann nicht mehr zu tun, als meine Tätigkeit, mein Wissen einzubringen. Aber Geld ist ein Problem. Wir brauchen fest angestellte Helferinnen. Mit Materialien werden wir von der Industrie unterstützt. Aber wir haben immer noch laufende Kosten und die müssen wir zusammentrommeln. Das ist zäh, da kann man nur immer wieder um Unterstützung bitten.

Ist das Ehrenamt noch eine Ehre?

Ich fühle mich privilegiert, das machen zu können, was mir Spaß macht. Den Begriff „Ehrenamt“ finde ich schwierig. Den habe ich nie ganz verstanden. Man arbeitet für den guten Willen. Aber die Ehre ist ein nebulöser Begriff. Man wird sicherlich geachtet, gerade wir Zahnmediziner bekommen ja oft schlechte Presse. Ich denke, es ist wichtig zu zeigen, dass wir es gut meinen und auch etwas tun, dass wir der Gesellschaft etwas zurück geben. Und wir sind mehrere, ich bin ja nicht allein.


Menschen etwas Gutes zu tun, erfüllt mich mit innerer Zufriedenheit.
Hardy Herbe, ehrenamtlicher Helfer des Projekts Troubadoure in Mannheim
Hardy Herbe
Info
  • Hardy Herbe ist seit über 30 Jahren technischer Angestellter.
  • Er besucht für das Projekt „Troubadoure“ in Mannheim kranke und ältere Menschen in Pflegeheimen.
  • Er empfindet seine ehrenamtliche Tätigkeit als Geschenk.

Das mache ich:

Ich bin seit über 30 Jahren technischer Angestellter der Stadt Mannheim. Seit das Projekt „Troubadoure“ 2006 gegründet wurde, bin ich da ehrenamtlich tätig. Ich sehe meine Aufgabe darin, den Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Dafür besuche ich sie verlässlich, regelmäßig dienstags, und gebe ihnen meine volle Aufmerksamkeit. Da wäre Elly, sie hat sich durch mich das erste Mal im Liegerollstuhl in den Aufenthaltsraum bringen lassen. Oder Michael, 40 Jahre alt. Er kam wegen seiner MS-Krankheit ins Pflegeheim und hat durch mich begleitet den Anschluss zum neuen Lebensabschnitt gefunden. Oder Maria, 63 Jahre alt. Ihr Ehemann ist plötzlich gestorben und sie war selbst pflegebedürftig. Sie hatte mit Allem abgeschlossen. Heute ist sie eine offene, fröhliche Person mit vielen Kontakten zu den Heimbewohnern. Sie wartet jeden Dienstag am Haupteingang auf mich.

Das gibt mir viel:

Menschen etwas Gutes zu tun, erfüllt mich mit innerer Zufriedenheit. Zumal ich meine Tätigkeit nicht als Arbeit empfinde, sondern als Geschenk.

Wie kann Hilfe geholfen werden?

Die Projektkoordination ist gut. So haben wir Ehrenamtlichen alle Unterstützung, die wir brauchen.

Ist das Ehrenamt noch eine Ehre?

Es ist mir eine Ehre, besondere Menschen kennen zu lernen. Aber kein Status.

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Kommentar
Was können wir dafür tun, dass Ehrenamt weiterhin Spaß macht?

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ich hab alles gelesen und ich werde versuchen menschen zu helfen.

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