„An einem Tag kann man so viel schaffen.“

Über das Internet bringt der Verein tatkräftig – helfende Hände für Hamburg junge Freiwillige und gemeinnützige Organisationen für ganz konkrete Projekte zusammen. Immer nur für einen Tag – aber immer wieder gern. Zum internationalen Tag des Ehrenamts am 5. Dezember erzählt Theresa Senk, die 28 Jahre alte Geschäftsführerin, wie ihr Verein moderne Hilfe möglich macht.

Frau Senk, Ihr Verein sucht im Internet nach Freiwilligen für Tageseinsätze. Melden sich online vor allem junge Menschen, die helfen wollen?
Die Menschen, die sich bei uns engagieren, sind tatsächlich jung: Mehr als achtzig Prozent unserer Freiwilligen sind zwischen 14 und 45 Jahre alt. Sie sind gut gebildet, viele haben einen akademischen Hintergrund. Aber sie befinden sich in der Stressphase ihres Lebens und haben für ein Ehrenamt nicht den Kopf frei. Genau die „knacken“ wir und geben ihnen Denkanstöße.

Junge Leute legen Pflastersteine auf einem Weg

Warum ist tatkräftig gerade für diese Menschen so attraktiv?
Eigentlich wollen sie sich engagieren, wissen aber weder wo noch wie. Sie trauen sich nicht zu, eine regelmäßige Verpflichtung einzugehen. Manche wollen das auch gar nicht, die würden ein Ehrenamt wie einen Klotz am Bein empfinden. Das Schöne bei uns ist: Es geht nur um einen einzelnen Tag, den kann man sich mal freischaufeln. Bei uns lernen die Freiwilligen, dass sie zusammen auch im Kleinen viel bewirken können.

Theresa Senk, Geschäftsführerin von tatkräftig e.V.
Info
  • Das Motto des Hamburger Vereins tatkräftig – helfende Hände für Hamburg lautet: 1 Tag. 1 Team. 1 Ziel. Die Initiative vermittelt seit 2012 jährlich mehr als 1000 junge Freiwillige kostenlos an über 50 Organisationen für einzelne Projektaufträge.
  • Auch in Berlin ist die Gründung eines lokalen Büros als eingetragener Verein geplant.
  • Das Projekt tatkräftig e.V. ist in diesem Jahr für den Deutschen Engagementpreis nominiert. Auch wir finden die Idee klasse – und drücken Frau Senk und Team die Daumen!
  • Kleiner Tipp: Wem die Zeit für ehrenamtliches Engagement fehlt, kann auch mit einem Los der Deutschen Fernsehlotterie zum solidarischen Miteinander beitragen – denn mit jedem verkauften Los werden soziale Projekte in Deutschland unterstützt.

Sie sprechen vor allem Junge an: Wer hat sich denn bisher sozial engagiert?
Die klassischen Ehrenamtlichen sind der Rentner und die Mutter, die nicht mehr in den alten Job zurück will. Sie haben eine unglaublich große Bedeutung für unsere Gesellschaft. Und natürlich sind die verlässlichsten Ehrenamtlichen immer noch jene, die sich langfristig und regelmäßig engagieren. Das Problem ist: davon gibt es immer weniger. Gerade als gemeinnützige Einrichtung muss man sich also überlegen, wie man an die Menschen herankommt. Wir stellen darum den ersten Kontakt her und schaffen einen Anreiz: In den einzelnen Projekten können Menschen sich ganz einfach, aber trotzdem wirkungsvoll engagieren.

Das Ehrenamt erdet. Die eigenen Probleme werden so, so klein.
Theresa Senk, Geschäftsführerin von tatkräftig e.V.

Wie kam es eigentlich zu der Idee, Organisationen und Helfer auf diese Weise zu verbinden?
Wir haben bei uns selbst den Bedarf gemerkt. Am Anfang stand eine junge Gruppe von Studierenden und Berufsanfängern – alle Ende 20, Anfang 30 – die sich gemeinsam engagieren wollten und feststellen mussten: Das geht gar nicht so einfach. Die meisten Angebote richten sich an Einzelpersonen und fordern regelmäßiges Engagement. Darum entwickelten wir ein Format, bei dem man projektweise helfen kann, am besten in der Gruppe, denn das macht mehr Spaß. Außerdem ist man fest verabredet und macht so eher keinen Rückzieher. Auch ist man nicht alleine in einer fremden Einrichtung und natürlich schafft man mit einer Gruppe viel mehr an einem einzigen Tag.

Männer schaufeln Staub in eine Schubkarre
Azubis malen Plakate
Männer tragen Pflastersteine

Wie finden Freiwillige und Organisationen eigentlich zueinander? Sie veröffentlichen ja gar nicht alle Projekte auf Ihrer Website, richtig?
Ja, nur ein Bruchteil der möglichen Engagements steht überhaupt online. Da sind Projekte, für die es noch nicht genug Freiwillige gibt und bei denen auch Einzelpersonen mitmachen können. Das Besondere bei tatkräftig ist, dass wir die Freiwilligen nach ihren Interessen fragen und den Gruppen dann Vorschläge machen. Jeder kann aussuchen, wie und wo er aktiv werden möchte. So steht man hinter der Entscheidung, hat im Idealfall Spaß daran und macht es wieder. Vor Ort ist die Gruppe übrigens in der Regel nicht alleine, ein Ansprechpartner ist möglichst mit dabei. Wir schnüren also ein „Rundum-sorglos-Paket“ – die Freiwilligen müssen nur kommen und anpacken.

In welchen Bereichen wird am meisten Hilfe benötigt?
Viel Aufmerksamkeit und Hilfe von außen brauchen Senioren und Menschen mit Behinderungen, denn sie haben oft selbst nicht so viele soziale Kontakte. Natürlich ist es nicht so, dass es ohne die tatkräftig-Freiwilligen gar kein Angebot gäbe, aber manchmal herrscht schlichtweg Personalmangel. Durch die zusätzlichen Hände werden in den Einrichtungen Ideen umgesetzt, die den Alltag aller Beteiligten sehr erleichtern.

Basteln mit alter Dame
Eine junge Frau ist wie ein Clown geschminkt und spricht mit einem Mädchen.

Welche Projekte sind bei den Freiwilligen besonders beliebt?
Projekte mit Kindern und Jugendlichen sind sehr gefragt, wobei Freiwillige gerade in dem Bereich mehr Zeit investieren sollten, um eine Beziehung aufbauen zu können. Viele Projekte bei uns kommen aber indirekt Kindern und Jugendlichen zugute: Kitas suchen Leute, die zum Beispiel beim Renovieren helfen, Schulen brauchen Betreuer beim Sommerfest oder Kinderhospize bitten um Unterstützung bei der Gartenarbeit.

Was nehmen die jungen Helfer von ihren Einsätzen mit?
Gerade älteren Menschen bedeutet es viel, wenn sie junge Menschen treffen, die ein bisschen Abwechslung in den Alltag bringen, die zuhören und Zeit haben. Dabei nehmen aber auch die Freiwilligen viel mit: Man setzt sich danach viel mehr mit dem eigenen Leben auseinander und überlegt, wie man selbst alt werden möchte. Und gerade in Projekten, bei denen man Menschen mit Behinderung trifft, bauen die Helfer schnell Hemmungen und Berührungsängste ab. Aber eigentlich kommt es gar nicht so sehr darauf an, wo man hilft – es ist immer erfüllend. Nicht umsonst sagt man auch, das Ehrenamt erdet. Denn die eigenen Probleme werden so, so klein.

Das sehen wir auch so. Danke für das Gespräch, Frau Senk.

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Kommentare
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Flüchtlinge, Kinder, alte Menschen, Kranken... Ich würde mich sehr dafür interessieren, von den Projekten zu hören, an denen ich in Berlin teilnehmen könnte. Am Besten in Berlin, aber auch in meinem Stadtteil, in Schöneberg. Ganz liebe Grüße

antworten

Tolle Sache, lebe in Berlin.Gibt es den Verein jetzt schon in Berlin?

antworten
Rebecca Sandbichler – 08.01.2017, 22:25 Uhr

Da sind wir grade nicht auf dem aktuellen Stand. Aber schreiben Sie am besten eine kurze Nachricht an das Team, die Organistoren sind sehr nett und hilfsbereit! Wir wünschen viel Erfolg!

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